Fassbinders Film „Angst essen Seele auf“ von 1974 zeigt, dass Angst auch durch eine Umgebung entsteht, die ausgrenzt. Wir lesen den Titelsatz als Bild für Angst, die das Leben bestimmt, und wer solche Angst über längere Zeit spürt, sollte sie ärztlich abklären lassen.
Fassbinder erzählt das am Beispiel einer älteren Putzfrau und eines deutlich jüngeren Marokkaners in der Bundesrepublik der 1970er Jahre. Hier erfährst du, woher der Satz kommt und wie sich Alltagsangst von einer Angststörung unterscheidet.
Aktualisiert : Filmdaten, Gesundheitsangaben und Quellen geprüft.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Satz ist der Titel von Fassbinders Film, uraufgeführt am 5. März 1974 in München (filmportal.de).
- Im Film heißt es: „Nix Angst. Angst essen Seele auf!“ (Vision Kino). Die falsche Grammatik macht den Satz einprägsam.
- Wenn Gefahr droht, hat Angst eine Schutzfunktion. Wenn Ängste alles überschatten und gar nicht mehr verschwinden, kann laut gesundheitsinformation.de eine generalisierte Angststörung dahinterstecken. Das sollte ärztlich abgeklärt werden.
- Bei einer generalisierten Angststörung kann unter anderem eine kognitive Verhaltenstherapie helfen (gesundheitsinformation.de). Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis.
Film und Titel: „Angst essen Seele auf“ stammt aus Fassbinders Film von 1974
Laut filmportal.de wurde Rainer Werner Fassbinders Spielfilm im September 1973 in München gedreht und am 5. März 1974 in München uraufgeführt. Der Arbeitstitel lautete „Alle Türken heißen Ali“.
Worum es im Film geht
Laut Vision Kino verliebt sich Emmi, eine deutsche Witwe Mitte sechzig (Brigitte Mira), in Ali, einen rund fünfundzwanzig Jahre jüngeren marokkanischen „Gastarbeiter“ (El Hedi ben Salem). Nach der Hochzeit brechen Emmis Kinder den Kontakt ab, Nachbarinnen und Kolleginnen schneiden sie. Als Vorlage nennt kinofenster.de Douglas Sirks Melodram „Was der Himmel erlaubt“ (1955).
- Altersunterschied: laut Vision Kino rund 25 Jahre
- Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland
- Kontext: Vorurteile gegen „Gastarbeiter“ in den 1970er Jahren
Woher der Satz kommt
Im Film heißt es: „Nix Angst. Angst essen Seele auf!“. Vision Kino nennt ihn ein Zitat, das vielen geläufig ist. Die falsche Grammatik ist die Sprache eines Menschen, der Deutsch erst lernt, und macht den Satz einprägsam.
Kulturelle Bedeutung
Auf den Filmfestspielen in Cannes 1974 erhielt der Film zwei Preise, dazu kam das Filmband in Gold für Brigitte Mira (filmportal.de).
| Filmdetails | Information |
|---|---|
| Uraufführung | 5. März 1974, München |
| Länge | 93 Minuten (35 mm) |
| Cannes 1974 | Preis der Ökumenischen Jury, FIPRESCI-Preis |
| Deutscher Filmpreis 1974 | Filmband in Gold, beste Darstellerin (Brigitte Mira) |
Quelle der Tabelle: filmportal.de.
Angst im Alltag: Angst schützt, wenn Gefahr droht; bei einer Angststörung kann Behandlung helfen
Der Soziologe Heinz Bude hat 2014 das Buch „Gesellschaft der Angst“ veröffentlicht (Hamburger Edition). Laut Verlag sieht er Angst als Ausdruck einer Gesellschaft mit schwankendem Boden. Das ist eine soziologische Diagnose, keine medizinische.
Wann Angst normal ist
Angst an sich ist kein Krankheitszeichen. Laut gesundheitsinformation.de (IQWiG) hat Angst eine Schutzfunktion, wenn Gefahr droht. Wenn Ängste alles überschatten, gar nicht mehr verschwinden und sich nicht kontrollieren lassen, hat sich möglicherweise eine generalisierte Angststörung entwickelt. Für die Diagnose müssen die Ängste unter anderem mindestens sechs Monate andauern. So lange musst du nicht warten: Wenn Ängste dich einschränken, sprich früher mit deiner Hausarztpraxis. Bei der generalisierten Angststörung können körperliche Beschwerden wie Herzrasen, Zittern oder Schwitzen dazukommen.
Wie häufig eine Angststörung ist
Nach Schätzungen, die gesundheitsinformation.de nennt, erhalten etwa 5 % aller Menschen im Laufe des Lebens die Diagnose generalisierte Angststörung. Für dich heißt das: Mit starken Ängsten bist du keine Ausnahme, und es gibt Hilfe. Wenn Ängste deinen Alltag über längere Zeit einschränken, lass das in der Hausarztpraxis abklären, statt dich selbst zu diagnostizieren.
| Merkmal | Alltagsangst | Angststörung (Beispiel: generalisierte Angststörung) |
|---|---|---|
| Funktion | Schutzfunktion, wenn Gefahr droht | Ängste überschatten alles, Befürchtungen sind wirklichkeitsfern und übertrieben |
| Dauer und Kontrolle | Bezogen auf eine drohende Gefahr | Ängste verschwinden nicht mehr und lassen sich nicht kontrollieren |
| Nächster Schritt | Einordnen, ob die Gefahr real ist (Einschätzung der Redaktion) | Möglicherweise generalisierte Angststörung: ärztlich abklären lassen, Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle |
Quelle der Tabelle: gesundheitsinformation.de, außer dem als Einschätzung der Redaktion markierten Feld.
Welche Behandlung es gibt
Bei einer generalisierten Angststörung können laut gesundheitsinformation.de eine kognitive Verhaltenstherapie und Entspannungsverfahren helfen. Bestimmte Antidepressiva kommen infrage. In Selbsthilfegruppen kannst du dich mit anderen austauschen. Was zu dir passt, klärst du mit deiner Ärztin oder Psychotherapeutin. Wie du belastende Gefühle erst einmal sortierst, beschreiben wir im Beitrag Gefühlschaos ordnen.
Die Redewendung: Wir lesen den Satz als Bild für Angst, die das Leben bestimmt
Im Film geht es um Ablehnung: Emmi wird von Familie, Nachbarschaft und Kolleginnen geschnitten, wie die Inhaltsangabe von Vision Kino beschreibt.
Das „Auffressen“ ist eine Metapher, keine medizinische Aussage. Eine weitere Redewendung erklären wir im Beitrag „Ein Herz und eine Seele“.
Philosophie: Von Epikur bis Sartre ist Angst ein Thema des Denkens
Lange bevor es Psychotherapie gab, haben Philosophen über Angst nachgedacht.
Epikur: Angst vor dem Tod als Quelle der Unruhe
Nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy sah Epikur die unerkannte Angst vor Tod und Strafe als Hauptursache der Angst unter Menschen. Sein Ziel war die Ataraxie, die Freiheit von innerer Unruhe.
Kierkegaard: Angst als Schwindel der Freiheit
Søren Kierkegaard veröffentlichte 1844 unter dem Pseudonym Vigilius Haufniensis „Der Begriff Angst“. Darin beschreibt er Angst als „Schwindel der Freiheit“ beim Blick auf die eigenen Möglichkeiten (Stanford Encyclopedia of Philosophy).
Sartre: Angst vor der eigenen Verantwortung
Für Jean-Paul Sartre sind Menschen „zur Freiheit verurteilt“, daraus folgen Angst und Verantwortung für die eigene Lage (Stanford Encyclopedia of Philosophy, Sartre).
| Philosoph | Perspektive auf Angst |
|---|---|
| Epikur | Angst vor Tod und Strafe als Hauptquelle der Unruhe |
| Kierkegaard | Angst als „Schwindel der Freiheit“ (Der Begriff Angst, 1844) |
| Sartre | Angst aus dem Wissen um die eigene Verantwortung |
| Heinz Bude (Soziologe) | Angst als Ausdruck einer Gesellschaft auf unsicherem Boden (2014) |
Wir halten Fassbinders Titel für stärker als jede Definition, weil er Angst nicht beim Einzelnen ablädt, sondern die ausgrenzende Umgebung mit ins Bild nimmt. Wir lesen den Satz deshalb als Aufforderung an beide Seiten: Wer Angst hat, sollte darüber sprechen und sich Hilfe holen. Wer ausgrenzt, trägt Verantwortung für die Angst anderer.
Umgang mit Angst: Bei anhaltender Angst ist die ärztliche Abklärung der erste Schritt
Aus den Quellen oben lassen sich zwei Schritte ableiten:
- Einordnen, ob die Angst einer realen Lage gilt und wieder nachlässt oder ob sie nicht mehr verschwindet.
- Bei Ängsten, die dich über längere Zeit einschränken, die Hausarztpraxis oder eine Psychotherapeutin aufsuchen. Es gibt Behandlungen, die helfen können (gesundheitsinformation.de).
In einer akuten Krise erreichst du die TelefonSeelsorge unter den oben genannten Nummern. Wie Körper und Seele zusammenhängen, ordnen wir im Beitrag Körper und Seele ein.
Kunst und Angst: Eine Übersichtsarbeit des WHO-Regionalbüros für Europa beschreibt die Rolle der Künste
Fassbinders Film ist ein Beispiel dafür, wie Kunst Angst und Ausgrenzung sichtbar macht.
Was die WHO-Übersicht sagt
Am 5. November 2019 hat das WHO-Regionalbüro für Europa eine Übersichtsarbeit zur Rolle der Künste für die Gesundheit veröffentlicht (WHO Europa). Laut Zusammenfassung zeigen Ergebnisse aus über 3000 Studien eine wichtige Rolle der Künste bei Vorbeugung, Gesundheitsförderung und Behandlung. Ein Film oder ein Buch kann also helfen, Gefühle einzuordnen. Eine Behandlung bei einer Angststörung ersetzt das nicht.
Fazit: Der Film zeigt, was Vorurteile mit zwei Menschen machen
Die Geschichte von Emmi und Ali zeigt, was Ablehnung durch Familie und Nachbarschaft mit zwei Menschen macht.
Für den eigenen Umgang gilt: Angst schützt, wenn Gefahr droht. Wenn Ängste alles überschatten und nicht mehr verschwinden, lass das in der Hausarztpraxis abklären; bei einer Angststörung kann Behandlung helfen (gesundheitsinformation.de).

