Wer die spirituelle Bedeutung von Blumen sucht, findet Deutungen und keine Tatsachen: Sie stammen aus Volksglauben, Bibel, christlicher Kunst und der Blumensprache des 18. und 19. Jahrhunderts, und die Quellen widersprechen sich. Hier erfährst du, woher einzelne Zuordnungen kommen, wofür Rose, Lilie und Sonnenblume in der heutigen Blumensprache stehen und warum die Christrose trotz ihrer Symbolik giftig ist.
Nimm die Bedeutungen als Anregung, wenn du einen Strauß aussuchst oder über ein Symbol nachdenkst. Bei einem Geschenk zählt am Ende, was die beschenkte Person selbst mit der Blume verbindet.
Aktualisiert : Deutungen, Gesundheitsangaben und Quellen geprüft.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Blumensprache brachte Lady Mary Wortley Montagu 1718 von ihren Reisen nach Konstantinopel nach England, das erste Wörterbuch dazu erschien 1819 von Charlotte de la Tour (Wikipedia, Language of flowers).
- Eine allgemein anerkannte Bedeutung je Blume gibt es nicht, die Deutungen unterscheiden sich laut der englischsprachigen Wikipedia von Buch zu Buch (Wikipedia, Language of flowers).
- Im Servus-Magazin stehen rote Rosen für Leidenschaft und Liebe, die Lilie für Reinheit, Unschuld und Jungfräulichkeit, die Sonnenblume für Fröhlichkeit, Freude und Wärme (Servus).
- Blütenessenzen und Giftpflanzen: Für Bachblüten zeigen Studien laut Techniker Krankenkasse keine messbare Verbesserung gegenüber einem Placebo (TK). Die Christrose ist laut Giftzentrale Bonn sehr giftig (Giftzentrale Bonn).
Pflanzensymbolik: Dieselbe Pflanze kann je nach Überlieferung Schutz oder Unheil bedeuten
Lange bevor es Bücher zur Blumensprache gab, verbanden Menschen Pflanzen mit Göttern, Geistern und Glaubensinhalten. Diese Pflanzensymbolik besteht aus vielen Überlieferungen, die sich von Region zu Region unterscheiden.
Ursprünge in Mythen und Volksglauben
Ein gut dokumentiertes Beispiel ist der Holunder. Laut Wikipedia galt er in der germanischen Überlieferung als Wohnort der Göttin Freya, der „Beschützerin von Haus und Hof“; Griechen, Römer und Germanen glaubten, dass im Holunder die guten Geister wohnten, daher pflanzte man ihn in die Nähe des Hauses. Im christlichen Volksglauben trägt er dagegen auch den Beinamen „Baum des Teufels“, weil sich Judas der Legende nach an einem Holunder erhängt haben soll. Ein und dieselbe Pflanze kann also Schutz und Unheil bedeuten, je nachdem, wen du fragst. Auch Bäume haben eine eigene Symbolik, mehr dazu im Beitrag zur spirituellen Bedeutung des Lebensbaums.
Den Namen Christrose führt Wikipedia auf die Tradition zurück, sie so zu ziehen, dass sich ihre Blüten zu Weihnachten öffnen; der Name Schneerose verweist dagegen auf ihre sehr frühe Blütezeit. Literarisch hat Selma Lagerlöf sie 1908 in ihrer „Legende von der Christrose“ verarbeitet (Wikipedia, Schneerose).
Christliche Bildsprache: Lilie und Distel
In der christlichen Kunst wurde die weiße Madonnenlilie zum Symbol der Reinheit und der „immerwährenden Jungfräulichkeit Marias“; auf Bildern der Verkündigung hält der Erzengel Gabriel häufig eine weiße Lilie in der Hand (Wikipedia, Madonnenlilie).
Die Distel taucht schon in der Bibel auf: Nach dem Sündenfall heißt es über den Acker „Dornen und Disteln soll er dir tragen“ (1. Mose 3,18, Lutherbibel 2017), dort als Bild für Mühsal. Die Mariendistel trägt Maria im Namen; ältere Texte nennen sie „Unser Frauen Distel“ (Wikipedia, Mariendistel).
| Pflanze | Symbolbedeutung (Deutung) |
|---|---|
| Holunder (Sambucus) | Im Volksglauben Wohnort guter Geister und Schutz für Haus und Hof, christlich auch „Baum des Teufels“ |
| Christrose (Helleborus niger) | Weihnachtsblume, Motiv der „Legende von der Christrose“ (Selma Lagerlöf, 1908); sehr giftig |
| Distel allgemein; Mariendistel (Silybum marianum) | Disteln in 1. Mose 3,18 Bild für Mühsal; die Mariendistel trägt Maria im Namen |
| Madonnenlilie (Lilium candidum) | In der christlichen Kunst Reinheit und Jungfräulichkeit Marias |
Spirituelle Bedeutung von Blumen: Die Deutungen unterscheiden sich je nach Quelle
Wer zwei Bücher zur Blumensprache vergleicht, kann für dieselbe Blüte verschiedene Bedeutungen finden. Das ist kein Fehler einzelner Autoren, sondern Teil der Geschichte: Laut Wikipedia gab und gibt es für jede Blüte „mehr als nur eine Bedeutung“, zusammengefasst in vielen verschiedenen Schriften. Die englischsprachige Wikipedia beschreibt die Blumensymbolik ebenfalls nicht als einheitliches System, sondern als Sammlung von Assoziationen, deren Deutung von Buch zu Buch schwankt.
Sogar die Herkunft wird unterschiedlich erzählt. Das Servus-Magazin schreibt, die Kunst, mit Blumen geheime Botschaften zu übermitteln, komme „vermutlich aus dem antiken Persien“. Die deutschsprachige Wikipedia führt sie auf den Selam zurück, eine im 14. Jahrhundert in türkischen Harems entstandene Form der Verständigung ohne Worte. Für dich heißt das: Nimm jede Zuordnung als eine mögliche Lesart und nicht als Regel.
Wir halten die Blumensymbolik für eine schöne Sprache für Gefühle, aber nicht für einen Code mit festen Regeln. Weil sich die Quellen schon bei Herkunft und Bedeutung widersprechen, legst du einem Strauß mit Botschaft am besten eine Karte bei, statt darauf zu setzen, dass die beschenkte Person dieselbe Tabelle kennt.
Keine Heilwirkung aus der Symbolik
Dass eine Blume in einer Deutung für Schutz oder Reinheit steht, sagt nichts über eine Wirkung auf den Körper aus. Das gilt auch für Blütenessenzen: Für die Bachblütentherapie zeigen Studien laut Techniker Krankenkasse „keine messbaren Verbesserungen gegenüber einem Placebo-Präparat“. Manche Symbolpflanzen sind zudem giftig: Die Christrose stuft die Giftzentrale Bonn als „sehr giftig“ ein, betroffen sind alle Pflanzenteile. Stell Christrosen deshalb außer Reichweite von Kindern und bereite aus ihnen keinen Tee zu.
Rose, Lilie und Sonnenblume: Im Servus-Magazin stehen sie für Liebe, Reinheit und Freude
Für die heutige Blumensprache nennen wir als Beispiel die Zuordnungen des Servus-Magazins im Beitrag „Welche Blume steht wofür? Blühende Botschaften“ (Servus).
Rose: Liebe und Leidenschaft, je nach Farbe auch Reinheit
Rote Rosen stehen laut Servus „für entfachte Leidenschaft und Liebe“, weiße Rosen „für Reinheit und Unschuld“. Gelbe Rosen werden dort als Blume beschrieben, die verschenkt wird, wenn in einer Beziehung etwas nicht in Ordnung ist. Die deutschsprachige Wikipedia übersetzt rote Rosen in der Blumensprache mit „Ich liebe dich über alles“. Wenn du Rosen verschenkst, lohnt der Blick auf die Farbe.
Lilie: Reinheit, Unschuld und Jungfräulichkeit
Die Lilie steht im Servus-Magazin „für Reinheit, Unschuld und Jungfräulichkeit“. Diese Deutung deckt sich mit der christlichen Bildsprache, in der die weiße Madonnenlilie Maria zugeordnet ist (siehe oben).
Sonnenblume: Fröhlichkeit, Freude und Wärme
Die Sonnenblume strahlt laut Servus „Fröhlichkeit, Freude und Wärme aus“, Wikipedia nennt „Lebensfreude, Fröhlichkeit“. Weitere Deutungen dieser Blüte findest du im Beitrag zur spirituellen Bedeutung der Sonnenblume.
Eine eigene Deutungstradition außerhalb der europäischen Blumensprache hat die Lotusblume. Was ihr zugeschrieben wird, liest du im Beitrag über die Lotusblume und ihre spirituelle Bedeutung.
Blumensprache und Pflanzensymbolik: Die Blumensprache richtet sich an einen Menschen, die Symbolik an Glauben und Mythos
Die Blumensprache ist eine Verständigung zwischen Menschen: Ein Strauß überbringt eine Botschaft, die man nicht aussprechen will oder darf. Nach England kam sie laut der englischsprachigen Wikipedia 1718, als Lady Mary Wortley Montagu sie von ihren Reisen nach Konstantinopel nach England mitbrachte. 1819 erschien mit „Le langage des Fleurs“ von Charlotte de la Tour das erste Wörterbuch der Blumensprache, im 19. Jahrhundert wurde sie in England, Nordamerika und Frankreich zur Mode.
Die Pflanzensymbolik ist älter und breiter: Sie umfasst die Bedeutungen, die Pflanzen in Mythen, Volksglauben und Religion bekommen haben, wie beim Holunder oder bei der Madonnenlilie. Hier geht es nicht um eine Nachricht an eine bestimmte Person, sondern um das, wofür eine Pflanze in einer Überlieferung steht.
| Blumensprache | Pflanzensymbolik |
|---|---|
| Botschaft von Mensch zu Mensch, verschlüsselt im Strauß | Bedeutung einer Pflanze in Mythos, Volksglauben und Religion |
| 1718 nach England, erstes Wörterbuch 1819 | Überlieferungen aus Antike, germanischem Volksglauben und christlicher Kunst |
| Beispiel: rote Rosen, „Ich liebe dich über alles“ | Beispiel: Holunder, Wohnort guter Geister oder „Baum des Teufels“ |
Die Grenze ist fließend: Die Lilie steht im Servus-Magazin für Reinheit, in der christlichen Kunst ebenso. Wenn du eine Blume bewusst auswählst, hilft dir die Unterscheidung, ob du jemandem etwas sagen oder ein Symbol für dich selbst suchst.
Fazit: Blumensymbolik ist eine Sprache für Gefühle mit mehreren Lesarten
Die spirituelle Bedeutung von Blumen setzt sich aus Volksglauben, christlicher Bildsprache und den Blumenbüchern des 19. Jahrhunderts zusammen. Eine verbindliche Liste gibt es nicht, schon bei der Herkunft widersprechen sich die Quellen.
Nutze die Deutungen als Anregung: für einen Strauß mit Botschaft oder als Anlass, über ein Symbol nachzudenken, das dir etwas bedeutet. Die Christrose gehört wegen ihrer Giftigkeit nicht in die Teetasse.

