Emotionale Erschöpfung beschreibt das Gefühl, innerlich ausgelaugt zu sein; die WHO führt Erschöpfung als eine von drei Dimensionen des Burnouts, das sie in der ICD-11 als Phänomen der Arbeitswelt und nicht als Krankheit einordnet. Weil dieselbe Erschöpfung auch bei einer Depression, körperlichen Erkrankungen oder durch Medikamente auftreten kann, lass sie bei anhaltenden Beschwerden ärztlich abklären, statt sie dir selbst als Burnout zu erklären.
Aktualisiert : Gesundheitsangaben und Quellen geprüft.
Das Wichtigste in Kürze
- Die ICD-11 erfasst Burnout als berufliches Phänomen, nicht als Krankheit; Erschöpfung ist eine seiner drei Dimensionen, neben innerer Distanz zur Arbeit und geringerer beruflicher Leistungsfähigkeit (WHO).
- Laut IQWiG ist Burnout in der Fachwelt nicht als eigenes Krankheitsbild anerkannt, und Internet-Fragebögen eignen sich nicht, um ein Burnout festzustellen (gesundheitsinformation.de: Burnout).
- Starke Erschöpfung, gedrückte Stimmung und nachlassende Leistung kommen auch bei einer Depression vor; dort erfassen die negativen Gedanken und Gefühle alle Lebensbereiche (IQWiG).
- Eine längere Auszeit kann laut IQWiG bei reiner Überlastung helfen; bei einer Depression braucht es etwa Psychotherapie oder Medikamente (gesundheitsinformation.de).
- Akut kannst du die TelefonSeelsorge kostenfrei unter 0800 111 0 111 anrufen, auch nachts (telefonseelsorge.de).
Emotionale Erschöpfung: Erschöpfung ist laut WHO eine von drei Dimensionen des Burnouts
Die WHO beschreibt Burnout in der ICD-11 als Syndrom, das aus chronischem Stress am Arbeitsplatz entsteht, der nicht erfolgreich bewältigt wurde (WHO: Burn-out an occupational phenomenon). Sie nennt drei Dimensionen: das Gefühl, keine Energie mehr zu haben oder erschöpft zu sein, eine wachsende innere Distanz zum Job oder eine negative, zynische Haltung ihm gegenüber und eine verringerte berufliche Leistungsfähigkeit. Als Erkrankung stuft die WHO Burnout nicht ein. Der Begriff soll laut WHO nur für den Arbeitskontext gelten, nicht für Erfahrungen in anderen Lebensbereichen.
Das Gesundheitsportal des IQWiG sieht Burnout ebenfalls nicht als eigenes Krankheitsbild, fasst den Begriff aber weiter als die WHO: Es nennt neben beruflichen auch außerberufliche Belastungen, etwa im Haushalt oder bei der Pflege Angehöriger. Was genau dazugehört, wird laut IQWiG unterschiedlich eingeschätzt (gesundheitsinformation.de).
Auslöser: Das IQWiG nennt Zeitdruck, Konflikte und dauernde Über- oder Unterforderung
Als mögliche Ursachen führt das IQWiG lang andauernde Über- oder Unterforderung auf, ständigen Zeitdruck, Konflikte mit Kolleginnen und Kollegen sowie eine extreme Einsatzbereitschaft, bei der die eigenen Bedürfnisse zu kurz kommen (IQWiG).
Prüf, welcher der vier Auslöser in deinem Alltag gerade überwiegt, etwa Dauerstress durch Termine oder ein Streit im Team. Davon hängt ab, wo eine Entlastung ansetzen kann: bei der Organisation der Arbeit, im Miteinander oder bei deinen eigenen Ansprüchen.
Anzeichen: Ausgelaugt sein, innerer Abstand zur Arbeit und nachlassende Konzentration
Laut gesundheitsinformation.de beschreiben Betroffene sich als ausgelaugt und emotional leer, ohne Energie, überfordert und müde. Auch Schmerzen oder Magen-Darm-Probleme sind möglich. Die Arbeit erleben Betroffene zunehmend als frustrierend, sie gehen innerlich auf Abstand und reagieren mitunter zynisch. Konzentration und Lust lassen nach.
Abgrenzung: Bei einer Depression betreffen negative Gedanken und Gefühle alle Lebensbereiche
Starke Erschöpfung, gedrückte Stimmung und nachlassende Leistungsfähigkeit treten laut IQWiG sowohl bei Burnout-Beschwerden als auch bei einer Depression auf (gesundheitsinformation.de: Burnout). Der Unterschied: Bei einer Depression beschränken sich die negativen Gedanken und Gefühle nicht auf bestimmte Anforderungen, sie betreffen alle Lebensbereiche. Zudem können Burnout-Beschwerden das Risiko erhöhen, an einer Depression zu erkranken.
Als Hauptsymptome einer Depression nennt das IQWiG gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit mit wenig Interesse an Dingen, die vorher wichtig waren, sowie Antriebsmangel und schnelle Ermüdung (gesundheitsinformation.de: Depression). Die Diagnose setzt voraus, dass mindestens zwei Wochen lang mehrere Haupt- und Nebensymptome bestehen. Zu den Nebensymptomen zählt die Seite unter anderem geringes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit und Gedanken an Suizid. Zwei Wochen sind kurz. Freut dich seit zwei Wochen auch außerhalb der Arbeit nichts mehr, ist ein Termin in der Hausarztpraxis der nächste Schritt.
| Merkmal | Burnout (laut IQWiG) | Depression (laut IQWiG) |
|---|---|---|
| Einordnung | nicht als eigenes Krankheitsbild anerkannt | Diagnose, wenn mindestens zwei Wochen lang mehrere Haupt- und Nebensymptome bestehen |
| Bezug | Beschwerden hängen an bestimmten Anforderungen, etwa im Job | negative Gedanken und Gefühle betreffen alle Lebensbereiche |
| Weitere Kennzeichen | innerer Abstand zur Arbeit, Zynismus, Konzentrationsprobleme | geringes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit, Gedanken an Suizid |
| Was hilft | bei reiner Überlastung manchmal eine längere Auszeit oder Änderungen im Betrieb | Psychotherapie und/oder Medikamente |
Wir halten das Wort Burnout für nützlich, um Überlastung im Job anzusprechen, aber für riskant, sobald es zur Selbstdiagnose wird. Wer sich selbst ein Burnout bescheinigt, setzt auf Erholung. Steckt eine Depression dahinter, reicht das laut IQWiG nicht. Deshalb steht am Anfang die ärztliche Untersuchung, erst danach die Frage nach Pause oder Änderungen im Job.
Diagnose: Online-Fragebögen können laut IQWiG kein Burnout feststellen
Fachleute nutzen laut gesundheitsinformation.de oft Fragebögen; mangels einheitlicher Definition ist aber unklar, was sie genau messen. Internet-Fragebögen zum Burnout-Risiko eignen sich nach Einschätzung des IQWiG nicht, um ein Burnout festzustellen.
Entscheidender ist der Blick auf andere Ursachen. Erschöpfung und Müdigkeit können auch von einer Depression oder einer Angststörung kommen, von einer körperlichen Erkrankung oder von bestimmten Medikamenten. Das IQWiG rät, diese Möglichkeiten gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt zu prüfen.
Entlastung: Laut IQWiG kann eine längere Auszeit bei reiner Überlastung zur Erholung beitragen
Kommt die Erschöpfung allein aus Überlastung, kann laut IQWiG ein längerer Urlaub oder eine Arbeitspause zur Erholung beitragen. Im Job können schon betriebliche Änderungen entlasten, in der häuslichen Pflege mehr praktische Hilfe im Alltag.
Ein erster Schritt im Betrieb kann ein Gespräch mit der Betriebsärztin oder dem Betriebsarzt sein, in Firmen mit Personal- oder Betriebsrat auch dort. Pflegst du einen Angehörigen, teile Einkäufe, Fahrten oder Betreuungszeiten mit anderen aus Familie und Bekanntenkreis. Ein fester Feierabend ist aus unserer Sicht ein einfacher erster Schritt, um im Alltag wieder zu deiner emotionalen Balance zu finden.
Hilfe: Bei einer Depression nennt das IQWiG Psychotherapie und Medikamente
Zur Behandlung einer Depression nennt das IQWiG vor allem Psychotherapie oder Medikamente (gesundheitsinformation.de). Erste Anlaufstelle ist für die meisten Menschen die Hausärztin oder der Hausarzt; du kannst dich aber auch direkt an eine psychotherapeutische oder psychiatrische Praxis oder eine Klinik wenden (IQWiG: Depression). Ist jemand akut in Gefahr, sich das Leben zu nehmen, ruf die 112.
Fehlt die Kraft auch außerhalb des Jobs, findest du Wege für Phasen, in denen die Seele nicht mehr kann. Bis du einen Termin hast, ist die TelefonSeelsorge unter den Nummern aus dem Hinweis oben auch nachts telefonisch erreichbar; sie bietet außerdem Mail und einen Chat nach Terminvergabe an.
Häufige Fragen zur emotionalen Erschöpfung
Fazit: Erst die Ursache klären, dann gezielt entlasten
Erschöpfung im Job kann zum Burnout gehören, das die WHO als berufliches Phänomen beschreibt; dieselben Beschwerden können aber auch auf eine Depression oder eine körperliche Ursache zurückgehen. Nimm eine Liste deiner Medikamente mit in die Hausarztpraxis und schildere dort, seit wann die Erschöpfung besteht; mit dem Befund von dort lässt sich entscheiden, ob eine Auszeit, Änderungen bei der Arbeit oder eine Behandlung dran sind.

