„Dämon: Trau keiner Seele“ ist keine Serie, sondern ein US-amerikanischer Kinofilm von Gregory Hoblit aus dem Jahr 1998 (Originaltitel „Fallen“), in dem Denzel Washington einen Polizisten spielt, der einen Dämon jagt. Die Kritik urteilte gemischt: Gelobt wurden Grundidee und Stil, bemängelt wurden aufgewärmte Genre-Versatzstücke und zu wenig Spannung.
Hier findest du die geprüften Filmdaten, die Handlung (das Ende steht in einem eigenen, gekennzeichneten Abschnitt), die Besetzung, die Entstehung und die Pressestimmen. Was über Symbolik gesagt wird, ordnen wir als Deutung ein und nennen dazu, wer sie vertritt. Der deutsche Titel wird auch „Fallen: Trau keiner Seele“ geschrieben (Wikipedia).
Aktualisiert : Filmdaten und Quellen geprüft.
Das Wichtigste in Kürze
- Kinofilm, keine Serie: USA, 124 Minuten, FSK ab 16, Regie Gregory Hoblit, Drehbuch Nicholas Kazan (filmdienst.de).
- US-Kinostart war der 16. Januar 1998, Verleih Warner Bros. (Box Office Mojo).
- Handlung: Nach der Hinrichtung des Serienmörders Edgar Reese geschehen Morde nach seinem Muster, dahinter steckt der Dämon Azazel, der durch Berührung den Körper wechselt.
- Gemischte Kritiken: 43 % von 56 erfassten Kritiken positiv bei Rotten Tomatoes (Stand 3. Oktober 2026), Metascore 52 von 100 bei Metacritic (Stand 3. Oktober 2026).
- Nominiert war der Film beim Bram Stoker Award (Drehbuch) und beim International Horror Guild Award, gewonnen hat er beide nicht (Bram Stoker Awards, International Horror Guild). Die deutsche FBW vergab das Prädikat „wertvoll“ (filmdienst.de).
Handlung: Ein hingerichteter Mörder scheint weiterzumorden
Der Film wird von einem Erzähler aus dem Off begleitet, der ankündigt, von einem Moment zu berichten, in dem er beinahe gestorben wäre (Wikipedia).
Die Geschichte des Detective John Hobbes
Detective John Hobbes (Denzel Washington) hat den Serienmörder Edgar Reese (Elias Koteas) überführt und ist bei dessen Hinrichtung in der Gaskammer dabei. Kurz danach werden neue Morde gemeldet, die Reeses Handschrift tragen.
- Reese spricht vor seinem Tod Hobbes gegenüber in einer fremden Sprache, die sich später als Aramäisch herausstellt.
- Bei der Hinrichtung singt er den Rolling-Stones-Song „Time Is on My Side“.
- Hobbes und sein Partner Jonesy (John Goodman) vermuten zunächst einen Nachahmungstäter.
Der Dämon Azazel wechselt durch Berührung den Körper
Eine Spur führt Hobbes zu Gretta Milano (Embeth Davidtz), deren Vater als Polizist schon einmal mit demselben Dämon zu tun hatte (so Hoblit im Fachmagazin Cinefantastique, Februar 1998). Von ihr erfährt er, wer hinter den Morden steckt: Azazel wechselt durch Berührung von Mensch zu Mensch und kann außerhalb eines Körpers nur wenige Sekunden überleben. Hobbes erkennt ihn an dem Lied „Time Is on My Side“. Schließlich tötet Hobbes in Notwehr einen Passanten, in den der Dämon gefahren ist, und wird vom Dienst suspendiert (Wikipedia).
Das Ende des Films (Achtung, Spoiler)
Hobbes lockt den Dämon zur abgelegenen Hütte der Familie Milano im Wald (englische Wikipedia). Dort tauchen Jonesy und Lieutenant Stanton auf. Jonesy, in dem inzwischen Azazel steckt, erschießt Stanton und wird im Kampf mit Hobbes tödlich verletzt. Hobbes hat sich vergiftet: Stirbt er in der Einöde, soll Azazel keinen neuen Körper finden. Doch der Dämon fährt in eine Katze und überlebt. Erst jetzt wird klar, dass der Erzähler vom Anfang Azazel selbst ist.
Der film-dienst hebt genau dieses überraschende Ende hervor, das „die Zuschauerperspektive auf den Kopf stellt“ (filmdienst.de).
Besetzung: Denzel Washington spielt in „Dämon: Trau keiner Seele“ den Ermittler Hobbes
Die Hauptrolle spielt Denzel Washington, an seiner Seite stehen John Goodman, Donald Sutherland und Embeth Davidtz. Die folgenden Rollennamen stimmen mit den Angaben bei filmdienst.de und Wikipedia überein.
- Denzel Washington als Detective John Hobbes
- John Goodman als Detective Jonesy
- Donald Sutherland als Lieutenant Stanton
- Embeth Davidtz als Gretta Milano
- James Gandolfini als Lou, ein Kollege von Hobbes
- Elias Koteas als Edgar Reese
Regisseur Hoblit hob hervor, Washington verleihe der Figur eine „auffallende Glaubwürdigkeit“ („a weight of believability that’s striking“, Cinefantastique), aufwendige Effekte hätten diese Glaubwürdigkeit nur untergraben. Wer nach weiteren Filmtiteln mit „Seele“ sucht: Auch „Angst essen Seele auf“ ist ein Film, Rainer Werner Fassbinders Spielfilm von 1974.
| Schauspieler | Rolle | Bedeutung für den Film |
|---|---|---|
| Denzel Washington | Detective John Hobbes | Hauptfigur, Ermittler |
| John Goodman | Detective Jonesy | Partner von Hobbes |
| Donald Sutherland | Lieutenant Stanton | Vorgesetzter von Hobbes |
| Embeth Davidtz | Gretta Milano | Tochter eines Polizisten, kennt den Dämon |
Regie und Drehbuch: Hoblit und Kazan setzten auf einen unsichtbaren Gegner
Die folgenden Angaben zur Entstehung stammen aus einem Bericht des US-Fachmagazins Cinefantastique vom Februar 1998, erschienen zur Zeit des Kinostarts.
Gregory Hoblit: Vom Polizeifernsehen zum Kinothriller
Hoblit hatte zuvor Folgen der Polizei- und Justizserien „NYPD Blue“, „Hill Street Blues“ und „L.A. Law“ inszeniert und dafür laut Cinefantastique neun Emmys erhalten. Er wollte die Polizeiarbeit so glaubwürdig zeigen, dass das Publikum den Ermittlern auch in die übernatürliche Welt folgt. Außerdem sollte der Dämon festen Regeln gehorchen, damit Hobbes ihm überhaupt eine Falle stellen kann.
Nicholas Kazans Drehbuch
Hoblit und Kazan arbeiteten eigentlich an einer Verfilmung von James Ellroys Roman „The Big Nowhere“, als Kazan ihm das Drehbuch zu „Fallen“ gab. Hoblit sagte nach der Lektüre sofort zu. Kazan begründete den unsichtbaren Gegner so: Im echten Leben sei das Böse verborgen, man sehe es nicht kommen, und darum wirke unsichtbares Böses so beängstigend (Cinefantastique).
Drehorte und Umsetzung
Gedreht wurde laut Cinefantastique an den meisten der 55 Drehtage in Philadelphia. Hoblit wählte die Stadt, weil sie im Kino weniger abgenutzt war als New York. Zugleich sollte die Stadt austauschbar wirken, damit das Publikum die Geschichte nicht als fernes Problem abtut. Produziert wurde der Film von Turner Pictures und Atlas (filmdienst.de).
- Regie: Gregory Hoblit
- Drehbuch: Nicholas Kazan
- Produktion: Charles Roven, Dawn Steel
- Musik: Tan Dun
- Kamera: Newton Thomas Sigel
Übernatürliches: Hoblit wollte Effekte laut Cinefantastique nur sparsam einsetzen
Auffällige Effektszenen waren laut Cinefantastique nicht vorgesehen. Hoblit setzte optische Effekte nach eigener Aussage sparsam ein und suchte für die Sicht des Dämons eine eigene Bildsprache, teils allein über Filmmaterial und dessen sorgfältige Entwicklung. Der Film sollte sich „real und möglich“ anfühlen, ausdrücklich nicht wie ein Horrorfilm mit Freddy Krueger.
Kazan und Hoblit wollten den Dämon laut Cinefantastique nicht als Gestalt zeigen, sondern über die Menschen, in denen er steckt. Hoblit beschrieb die Regeln so: Der Dämon wechselt durch Berührung oder, wenn sein Wirt stirbt, durch die Luft in einen neuen Körper. Was er in einem Menschen tut, hat dieser Mensch getan, wenn der Dämon ihn wieder verlässt (Cinefantastique). Daraus entsteht nach unserer Einschätzung die Spannung des Films: Jede Person im Bild kann der Täter sein.
| Horror-Element | Beschreibung |
|---|---|
| Körpertransfer | Azazel wechselt durch Berührung von Mensch zu Mensch |
| Besessenheit | Was der Dämon im Wirt tut, hat der Wirt getan |
| Erkennungszeichen | Das Lied „Time Is on My Side“ verrät den Dämon |
| Schwachstelle | Außerhalb eines Körpers überlebt Azazel nur wenige Sekunden |
Kritiken und Auszeichnungen: gemischtes Echo, Nominierungen bei zwei Horrorpreisen
Die Kritiken fielen gemischt aus. Bei Rotten Tomatoes sind 43 % von 56 erfassten Kritiken positiv (Stand 3. Oktober 2026). Das heißt: Weniger als die Hälfte der erfassten Kritiken bewertet den Film positiv. Die Zusammenfassung der Seite lobt die interessante Grundidee, bemängelt aber, dass der Film alte Versatzstücke aufwärme und wenig Spannung biete. Metacritic vergibt auf Basis von 28 Kritiken einen Metascore von 52 von 100 (Stand 3. Oktober 2026), was die Seite als „gemischt oder durchschnittlich“ einstuft. Wenn du dir selbst ein Bild machen willst, lies deshalb einzelne Kritiken statt nur auf die Gesamtnote zu schauen, denn sie loben und tadeln sehr unterschiedliche Dinge.
Pressestimmen im Überblick
Drei Stimmen aus der Kritik:
- Der film-dienst (Heft 6/1998) lobt die „stilistische Versiertheit“ und das überraschende Ende, kritisiert aber, die Anleihen beim Übernatürlichen blieben „ohne inhaltliche Reflexion“.
- Lisa Alspector vom „Chicago Reader“ schreibt, die erste Hälfte verspreche einiges, „but time is not on its side“ (die Zeit sei nicht auf seiner Seite), eine Anspielung auf das Stones-Lied (zitiert bei Rotten Tomatoes).
- Die Zeitschrift „Total Film“ vergab 2 von 5 Sternen und nennt den Film überlang und durchweg langweilig (zitiert bei Rotten Tomatoes).
Nominierungen und Prädikat
Gewonnen hat der Film keinen der beiden hier geprüften Horrorpreise. Nicholas Kazan war für das Drehbuch für den Bram Stoker Award nominiert, gewonnen haben „Gods and Monsters“ und „Dark City“ (Gleichstand). Beim International Horror Guild Award stand der Film bei der Verleihung im März 1999 in der Kategorie Film auf der Nominiertenliste, ausgezeichnet wurde „Gods and Monsters“. In Deutschland erhielt der Film von der FBW das Prädikat „wertvoll“ (filmdienst.de).
| Auszeichnung | Jahrgang (Verleihung) | Kategorie | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| International Horror Guild Award | 1998 (März 1999) | Film | Nominierung |
| Bram Stoker Award | 1998 (1999) | Drehbuch (Nicholas Kazan) | Nominierung |
| FBW-Prädikat | nicht angegeben | Filmbewertung | „wertvoll“ |
Symbolik: Der Originaltitel verweist auf die gefallenen Engel
Der Originaltitel „Fallen“ bezieht sich laut Cinefantastique auf die Engel, die zusammen mit Luzifer aus dem Himmel verstoßen wurden. Dazu passt nach Einschätzung der Redaktion der Name des Dämons: Asasel oder Azazel ist ursprünglich der Name eines Wüstendämons aus dem Sündenbock-Ritual des jüdischen Versöhnungstags (3. Mose 16). Spätere Traditionen machten daraus einen gefallenen Engel, der mit dem Teufel in Verbindung gebracht wurde (Wikipedia: Asasel).
Das Lied „Time Is on My Side“ deutet Cinefantastique als spöttische Erkennungsmelodie eines Wesens, das seit Jahrtausenden existiert und deshalb Zeit hat zu warten. „Keine Seele“ heißt laut Duden so viel wie „niemand“. Nach Einschätzung der Redaktion spielt der deutsche Titel damit: Trau niemandem, denn im Film kann jeder Mensch der Wirt des Dämons sein. „Seele“ steht hier für einen Menschen, ähnlich wie in der Wendung „ein Herz und eine Seele“. Wie die Seele in Philosophie und Spiritualität verstanden wird, zeigt unser Beitrag über die Seele.
Wir halten „Dämon“ für einen gelungenen Genre-Mix aus Polizeifilm und Horror, der auf Andeutung statt auf Schockeffekte setzt. Versteckte Botschaften sollte niemand erwarten: In den für diesen Beitrag ausgewerteten Quellen (Cinefantastique, film-dienst, Wikipedia; Stand Oktober 2026) sind nur der Bezug des Titels auf die gefallenen Engel und Kazans Aussage zum unsichtbaren Bösen belegt. Die Lesart des Lieds stammt von Cinefantastique; die Verbindung zum Namen Azazel und das Spiel des deutschen Titels mit der Redensart „keine Seele“ (Duden) sind Einschätzungen der Redaktion. Eine weitergehende Absicht der Macher nennen diese Quellen nicht. Den Einwand des film-dienst teilen wir: Das Übernatürliche dient vor allem der Kriminalgeschichte.
Häufige Fragen zum Film
Fazit: Interessante Idee, gemischtes Urteil der Kritik
„Dämon: Trau keiner Seele“ verbindet einen Polizeithriller mit einer Dämonengeschichte, mit Denzel Washington in der Hauptrolle, einem unsichtbaren Gegner und einem Ende mit doppelter Wendung. Die Kritik blieb gespalten, bei zwei Horrorpreisen reichte es zur Nominierung.
Wenn du Krimis mit übernatürlichem Einschlag magst und dich gut zwei Stunden Laufzeit nicht abschrecken, lohnt sich ein Blick. Lies den Abschnitt zum Ende besser erst nach dem Film.

