Chronische Rückenschmerzen und Psyche hängen zusammen, aber anders, als das Bild von der weinenden Seele nahelegt: Bei über 85 Prozent der Menschen mit Rückenschmerzen findet sich laut Gesundheitsinformation.de (IQWiG) keine eindeutige Ursache, und das heißt weder, dass die Schmerzen eingebildet, noch, dass sie seelisch verursacht sind. Psychische Belastungen können den Verlauf aber beeinflussen, deshalb heißt das für dich: Warnzeichen kennen, aktiv bleiben und Belastungen ansprechen.
Stress, Sorgen oder eine Depression können laut IQWiG Rückenschmerzen auslösen. Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft erhöhen psychische Belastungen außerdem das Risiko, dass Schmerzen chronisch werden.
Das Bild „wenn die Seele weint“ beschreibt diese Wechselwirkung. Es ist eine Deutung, keine Diagnose. Wie solche Deutungen für andere Beschwerden aussehen, zeigt unsere Liste zur spirituellen Bedeutung von Krankheiten. In diesem Beitrag trennen wir, was zu Rücken und Psyche belegt ist, von dem, was Deutung bleibt.
Aktualisiert : Gesundheitsangaben und Quellen geprüft.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei über 85 Prozent der Menschen mit Rückenschmerzen findet sich keine eindeutige Ursache, das heißt aber nicht „eingebildet“ oder „seelisch verursacht“ (IQWiG).
- Psychische Belastungen erhöhen das Risiko, dass Schmerzen chronisch werden, sprich sie deshalb bei deinem Arzt an (Deutsche Schmerzgesellschaft).
- Rund 24 Prozent der Frauen und 17 Prozent der Männer hatten in zwölf Monaten chronische Rückenschmerzen. Du bist damit nicht die Ausnahme, und dauern deine Schmerzen länger als drei Monate, lass sie gezielt abklären (RKI, Befragungen 2009 bis 2012).
- Bewegung ist auch bei chronischen Kreuzschmerzen die wirksamste Behandlung (IQWiG).
- Bei Warnzeichen wie Lähmungen, Taubheit im Genitalbereich oder Problemen beim Wasserlassen solltest du schnell zum Arzt gehen oder ein Krankenhaus aufsuchen (IQWiG).
Keine eindeutige Ursache: Das heißt weder eingebildet noch seelisch verursacht
Rückenschmerzen sind mehr als ein mechanisches Problem. Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft erhöhen psychische Belastungen das Risiko, dass Schmerzen chronisch werden. Wer aus Angst vor Schmerzen jede Bewegung meidet, verringert die Chance, in den normalen Alltag zurückzufinden. Mehr zu dieser Wechselwirkung allgemein findest du im Beitrag Körper und Seele.
Laut Deutscher Schmerzgesellschaft haben mehr als 80 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben Rückenschmerzen. Liegen keine strukturellen Schädigungen vor, spricht man vom nicht-spezifischen Rückenschmerz. Mit Rückenschmerzen bist du also in großer Gesellschaft. Kenne trotzdem die Warnzeichen aus dem Hinweis oben und lass Schmerzen ärztlich abklären, die nicht abklingen.
Die Rolle des Nervensystems bei chronischen Schmerzen
Das Nervensystem verarbeitet Schmerzsignale nicht immer gleich. Bei chronischen Schmerzen können sich laut IQWiG die Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung im zentralen Nervensystem verändern. Wie stark dieser Effekt im Einzelfall ist, lässt sich nicht pauschal sagen.
Psychologische Maßnahmen als Teil der Behandlung
Psychologische Maßnahmen gehören nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft zur multimodalen Behandlung chronischer Rückenschmerzen. Sie ersetzen die ärztliche Behandlung nicht, sondern ergänzen sie.
Chronische Rückenschmerzen und Psyche: Belastungen können das Risiko für einen chronischen Verlauf erhöhen
Dass sich keine eindeutige Ursache findet, heißt nicht automatisch, dass die Ursache seelisch ist. Es heißt nur, dass sich kein klarer körperlicher Befund zeigt, der die Beschwerden erklärt.
Für depressive Symptome beschreibt die Deutsche Schmerzgesellschaft den Zusammenhang besonders deutlich: Liegen sie vor, ist eine Chronifizierung der Schmerzen wahrscheinlicher. Ob das im Einzelfall zutrifft, klärt eine ärztliche und gegebenenfalls psychologische Untersuchung.
Als psychische Belastungen, die mit Rückenschmerzen zusammenhängen können, nennen IQWiG und Deutsche Schmerzgesellschaft unter anderem:
- Anhaltenden Stress am Arbeitsplatz
- Finanzielle oder familiäre Sorgen
- Depressive Symptome
Selbsthilfe bei Rückenschmerzen heißt deshalb auch, solche Belastungen ernst zu nehmen und anzusprechen. Eine Therapie, die Ärzte, Psychologen und Physiotherapeuten einbezieht, kann helfen.
Wie verbreitet das Problem ist, zeigt eine Auswertung des RKI (2017, Befragungsdaten 2009 bis 2012, rund 62.600 Erwachsene): Etwa jede vierte Frau (24,4 Prozent) und jeder sechste Mann (17,1 Prozent) hatten in den letzten zwölf Monaten chronische Rückenschmerzen. Je niedriger der sozioökonomische Status, desto häufiger waren sie. Als chronisch galten in der Studie Rückenschmerzen, die drei Monate oder länger anhielten. Für dich heißt das: Chronische Rückenschmerzen sind kein Randproblem. Halten deine Schmerzen so lange an, sprich deine Hausärztin oder deinen Hausarzt gezielt darauf an.
Stress und Rückenschmerzen: Anspannung und Schmerz können sich gegenseitig verstärken
Stress und Rückenschmerzen können sich wechselseitig beeinflussen. Schmerzen belasten, und Belastung kann Schmerzen verstärken.
Stressbedingte Muskelspannungen und ihre Folgen
Laut IQWiG kann psychischer Stress etwa über Verspannungen zu Rückenbeschwerden beitragen. Wie du Stress im Alltag reduzieren kannst, beschreibt unser Beitrag Stress abbauen im Alltag.
Der Teufelskreis aus Stress und Schmerz
Schmerz ist selbst eine Belastung. Wer aus Sorge vor zunehmenden Schmerzen Bewegung vermeidet und sich zurückzieht, kann Kraft und Beweglichkeit verlieren, und die Beschwerden können sich verfestigen. Die Deutsche Schmerzgesellschaft beschreibt dieses Vermeiden als ungünstiges Muster. Diesen Kreislauf zu unterbrechen, ist ein Ziel der Schmerztherapie.
Gegensteuern kannst du vor allem mit Bewegung und Entspannung. Beides folgt weiter unten.
Behandlung: Multimodale Schmerztherapie verbindet Medizin, Physiotherapie und Psychologie
Chronische Rückenschmerzen betreffen Körper und Alltag zugleich. Deshalb setzt die Behandlung an mehreren Stellen an.
Bei chronischen nicht-spezifischen Rückenschmerzen gibt es die multimodale Schmerztherapie. Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft werden dabei medizinische, psychologische und physiotherapeutische Maßnahmen intensiv und kombiniert angewendet, über einen Zeitraum von etwa vier Wochen. Multimodale Therapie ist also ein intensives Programm über mehrere Wochen, kein einzelner Termin. Werden deine Schmerzen trotz Behandlung chronisch, frag deinen Arzt, ob eine solche Therapie für dich infrage kommt.
Zur Behandlung können, abgestimmt auf deine Beschwerden, diese Bausteine gehören:
- Ärztliche Behandlung, bei Bedarf mit Medikamenten
- Physiotherapie und Bewegungstherapie
- Psychotherapeutische Unterstützung, etwa Verhaltenstherapie
- Entspannungsverfahren und Achtsamkeitsübungen
Durch Entspannungstechniken und mentale Strategien kannst du lernen, besser mit Schmerzen umzugehen und zu verstehen, was sie verstärkt.
In einer solchen Behandlung arbeiten Ärzte, Physiotherapeuten und Psychotherapeuten zusammen. So werden körperliche und seelische Faktoren gemeinsam berücksichtigt.
Wir halten das Bild von der „weinenden Seele“ für hilfreich, solange es als Frage verstanden wird und nicht als Erklärung. Es lädt dazu ein, Stress und Sorgen ernst zu nehmen. Als Ursache für Rückenschmerzen taugt es nicht: Dafür braucht es eine ärztliche Abklärung. Sinnvoll ist, Körper und Belastungen gemeinsam anzugehen, so wie es auch die multimodale Schmerztherapie tut.
Bewegung und Entspannung: Laut IQWiG ist Bewegung die wirksamste Behandlung
Selbsthilfe bei Rückenschmerzen setzt bei Bewegung und Entspannung an.
Laut IQWiG ist Bewegung auch bei chronischen Kreuzschmerzen die wirksamste Behandlung. Multimodale Programme verbinden sie mit Physiotherapie, Verhaltenstherapie, Schulung und Entspannungstechniken.
Entspannungstechniken
Folgende Entspannungsmethoden können dir helfen, Anspannung abzubauen:
- Autogenes Training
- Progressive Muskelentspannung
- Meditation
- Atemübungen
Bedeutung körperlicher Aktivität
Regelmäßige Bewegung hilft, wieder in den Alltag zu finden. Die Deutsche Schmerzgesellschaft betont, dass es sehr wichtig ist, so zügig wie möglich die normale körperliche Aktivität wieder zu erreichen. Welche Bewegungsform zu dir passt, besprichst du am besten mit Arzt oder Physiotherapeut.
| Bewegungsform | Möglicher Nutzen |
|---|---|
| Yoga | Kann Beweglichkeit und Körperwahrnehmung fördern |
| Schwimmen | Kann Gelenke schonen und die Muskulatur stärken |
| Spazieren | Leichter Einstieg in regelmäßige Bewegung |
Integration in den Alltag
Diese Gewohnheiten helfen, im Alltag aktiv zu bleiben:
- Tägliche Dehnübungen
- Regelmäßige Bewegungspausen
- Achtsame Körperhaltung
- Stressreduktion durch Entspannungstechniken
Häufige Fragen zu Rückenschmerzen und Psyche
Fazit: Rücken und Psyche gehören in eine gemeinsame Abklärung
Bei chronischen Rückenschmerzen können körperliche und psychische Faktoren zusammenwirken.
Stress, Sorgen, depressive Symptome oder Bewegungsmangel können eine Rolle spielen. Welche Faktoren bei dir wichtig sind, lässt sich nur mit ärztlicher Hilfe klären.
Um chronische Rückenschmerzen zu lindern, sind Bewegung, Entspannung und professionelle Hilfe wichtig. Selbsthilfe heißt, aktiv zu bleiben und Belastungen ernst zu nehmen.
Wir sehen im Bild von der „weinenden Seele“ vor allem eine Erinnerung: Sprich über das, was dich belastet, mit deinem Arzt und, wenn nötig, mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten.

